Das Tischlerforum bei Klaus-Hermann Ries

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Alt 24.06.02, 00:57   #1
Amos23
Mitglied
 
Registriert seit: 06.2002
Ort: Buchholz i. d. N.
Beiträge: 3
Sehr geehrter Herr Ries,

vor kurzem habe ich einen Neubau mit Fertigparkett Buche (Schiffsboden, geklebt, versiegelt, 2-Schichtparkett, 4 mm Nutzschicht) im Wohnzimmer/Eßbereich (ca.30 m²) erworben. Bei der Hausübergabe vor zwei Wochen wurde festgestellt, daß das Parkett ein großflächig welliges Erscheinungsbild aufweist (Das Parkett war drei Tage vor der Übergabe *verlegt worden). Von der Parkettverlegefirma, einschl. eines Aussendienstmitarbeiters des Parkettherstellers, wurde
aufgrund des welligen Erscheinungsbildes folgende Aussage abgegeben:

1.) Das Fertigparkett wäre mit einem wasserlöslichen Kleber verlegt worden, dabei wäre es
offensichtlich zu einer Quellung des Parketts gekommen. Es wurde angenommen, daß überschüssige
Feuchte des Klebers durch die Schlitze im Unterbau des Parketts an die Bucheschicht abgegeben worden sei, wodurch die Bucheschicht an den entsprechenden Stellen gequollen sei. (Der Feuchtegehalt des Eßstrichs soll angeblich in Ordnung gewesen sein.)
2.) Die wellige Erscheinungsform würde sich nach einiger Zeit wieder geben, wie lange dies dauern würde könnte man allerdings nicht sagen. Nach vier Wochen sollte jedoch eine deutliche Besserung sichtbar sein.
3.) Sollte sich keine Besserung einstellen, so wäre man bereit das Parkett an/abzuschleifen, um eine entsprechendes Oberflächenbild zu erzielen. Ich habe daraufhin mit der Bauleitung, sowie dem Parkettverleger einen neuen Besichtigungstermin ca. 4 - 6 Wochen nach der Übergabe vereinbart, um ggf. weitere Schritte zu besprechen.

Jetzt, nach zwei Wochen, ist allerdings noch keine Verbesserung, eher eine leichte Verschlechterung des welligen Erscheinungsbildes zu beobachten.
In der Zwischenzeit habe ich eine weitere Eigenschaft meines Parketts kennengelernt, die mich sehr überrascht hat, da ich immer geglaubt hatte, daß Buche zu den Harthölzern gehört: Das Parkett ist sehr weich. So lassen sich z. Bsp, mit einer Holzwäscheklammer Dellen in das Parket drücken, auch Fingernägel können leichte sichtbare Spuren im Parkett hinterlassen.
Da ich leider nicht mal Laie auf dem Gebiet des Parketts bin, und ausserdem das Gefühl habe "über den Tisch gezogen zu werden" bitte ich an dieser Stelle um Rat.

Hier nun meine Fragen:
1.) Ist es glaubwürdig und denkbar, daß die Wellen tatsächlich noch aus dem Parkett verschwinden ?

2.) Ist das Abschleifen eine reelle Maßnahme, um den Schaden zu beheben? Mir wurde erklärt, daß dadurch das Parkett viel besser werden würde, da man anschließend eine ganzflächige Versiegelung erhalten würde. (Ich hatte eine ganzflächige Versiegelung eigentlich auch von einem Fertigparkett erwartet !?)

3.) Findet durch das Abschleifen eine Wertminderung des Parketts statt, da die Nutzschicht dünner wird? Wieviel wird eigentlich durch einen normalen Schleifvorgang von der Nutzschicht abgetragen ? Ich habe an anderer Stelle im Diskussionsforum auf Ihrer Webseite gelesen, daß durch einen Abtrag von 2 mm das Parkett viel zu dünn werden würde.

4.) Welche Rechte habe ich, um ein Parkett mit vernünftigem Aussehen in meinem Wohnzimmer zu erhalten ? Kann ich verlangen, daß ich ein neu verlegtes Parkett erhalte, bzw. eine entsprechende Wertminderung erstattet bekomme ?

5.) Ist es typisch für eine *normale Qualität an Buche-Parkett oben genannten Typs, daß es sich mit einem Fingernagel eindrücken läßt, oder spricht dies für mindere Qualität ?

Vielen Dank für Ihre Antworten.

MfG

Thorsten
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Dino23
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Alt 24.06.02, 11:51   #2
Andreas Schumm
Mitglied
 
Registriert seit: 10.2001
Ort: Dormagen
Beiträge: 4

Auf eine Frage kann ich antworten: Bei mir wurde für Eiche massiv auch in einigen Räumen ein wasserlöslicher Kleber verwendet, der dann zum Quellen geführt hat. Der Parkettleger hatte das erwartet; nach dem Schleifen und dem Versiegeln ist die Fläche ganz glatt.
In den Räumen, in denen der (vom Hersteller empfohlene) nicht-wasserlösliche Kleber verwendet wurde, blieb das Quellen aus, und so wurde dort vor dem Versiegeln nur leicht angeschliffen. Ich muss sagen, ich finde die gequellten Flächen fast schöner (Fragen Sie mich nicht, weshalb zwei verschiedene Kleber verwendet wurden).

In Ihrem Fall kommt hinzu, dass Sie ja eigentlich ein bereits versiegeltes Parkett gekauft haben. Wenn Sie das jetzt schleifen und von Hand versiegeln, sieht die Fläche sicher besser aus, als es mit dem industriell versiegelten Parkett wäre. Voraussetzung ist natürlich, dass die Nutzschicht ein Schleifen zulässt - das kann Herr Khries sicher besser beurteilen.


Andreas Schumm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.06.02, 20:11   #3
khr
Klaus-Hermann Ries
Tischlermeister
öb vereidigter Sachverständiger des Tischlerhandwerks
 
Registriert seit: 09.2001
Ort: 46244 Kirchhellen
Beiträge: 7.092
Normal ist, dass Parkett Feuchte zieht wenn es mit wasserlöslichem Kleber verklebt wird. Im Idealfall aber werden die Beulen wieder verschwinden, wenn es eine Zeit lang trocknet. Sollte es dies nicht tun, ist was faul. Allerdings zieht das Holz auch Feuchte aus dem Bau und aus der Luft, vor allem aus dem Bau wenn keine Dampfsperre unter dem Estrich und / oder keine kapillarbrechende Schicht unter dem Kleber ist.

Abschleifen damit die Wellen verschwinden halte ich für fraglich. Wie soll einer die hochstehende Welle beim Schleifen erwischen und das egalisieren, das "Tal" hingegen nicht ? Wie soll die Nutzschicht aussehen wenn die mit dem Schleifen fertig sind ? Wenn 2 mm runter sind können Sie das Parkett geleich entsorgen.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß eine örtlich erstellte Lackierung besser sei als die werseitige Beschichtung.  Der einzige Vorteil wäre, daß die gesamte Fläche einschließlich der Fugen lackiert ist. Wenn das aber mit einem Acryllack passiert kommt´s zu Flankenverklebungen und nur zu stellenweiser, aber umso beachtlicherer Fugenbildung.

Im Moment würde ich den Boden schriftlich reklamieren und dann mal den Ball flach halten und abwarten. Bei der derzeitigen Witterung trocknet das Holz nicht sondern wird eher feuchter wegen der hohen Luftfeuchte. Sofern das PArkett nicht an der Wand anstößt weil dier Randabstand nicht (mehr) da ist sollten Sie mal ein paar Monate warten um zu sehen was passiert.

Recht haben Sie auf einen einwandfreien Boden, das ist klar. Was zulässig ist an Unebenheiten, können Sie auf meiner Seite unter "Parkett...  was Sie nicht erwarten dürfen" nachlesen.

Tjaaa, und das die Buche so weich sein soll, daß man sie mit dem Fingernagel eindrücken kann ? Was haben Sie denn für Krallen ?? Keine Ahnung, normal ist das nicht.
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Klaus-Hermann Ries (khr)
khr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.07.02, 22:58   #4
Amos23
Mitglied
 
Registriert seit: 06.2002
Ort: Buchholz i. d. N.
Beiträge: 3
Zunächst einmal vielen Dank für die Antworten.

Nachdem nun ein weiterer Besichtigungstermin stattgefunden hat mit Parkettlieferant, -verleger, sowie -kleberhersteller ist man zu dem Schluß gelangt, daß es das Beste sei das Parkett auszutauschen. Der Parkettlieferant geht davon aus, daß nicht mehr mit einer Verbesserung des welligen Erscheinungsbildes zu  rechnen sei. Auf die Ursache wollte / konnte man sich allerdings nicht festlegen (so richtig genannt hat man allerdings die möglichen Ursachen auch nicht).

Daran schließt sich nun meine Frage:
Welchen Fertigparketthersteller können Sie guten Gewissens, insbesondere im Bezug auf die Haltbarkeit des Parketts, empfehlen (Wir haben mittlerweile die Option einen anderen Parketthersteller auswählen zu können)?

Vielen Dank im voraus.

MfG

Thorsten
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Dino23
Amos23 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.07.02, 13:35   #5
khr
Klaus-Hermann Ries
Tischlermeister
öb vereidigter Sachverständiger des Tischlerhandwerks
 
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Ort: 46244 Kirchhellen
Beiträge: 7.092
Hallo,

wenn Sie eine funktionierende Dampfsperre haben und den Parkett mit einem Kleber verkleben der kein Wasser enthält (zB Thomsit "Flüsterkleber" mit eingebautem Schallschutz) dann sollte jedes gute Markenparkett bei fachgerechter Verarbeitung keine Beulen werfen.

Produktempfehlungen kann und möchte ich keine geben.
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Klaus-Hermann Ries (khr)
khr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.02, 23:28   #6
Amos23
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Registriert seit: 06.2002
Ort: Buchholz i. d. N.
Beiträge: 3
Hallo Herr Ries,
die ganze Geschichte geht jetzt in eine neue Runde:
Das wellige Parkett ist trotz Zusage noch nicht getauscht worden.
Nachdem die Parkettverlegefirma mehrfach aufgefordert worden ist, aktiv zu werden, hat sich die Parkettverlegefirma wieder auf das Abschleifen besonnen (da man wohl offensichtlich die Schuldfrage mit der Parkettherstellerfirma nicht eindeutig klären konnte), *aber diesmal in einer anderen Variante: Man würde eine Laegler (?) 3 Scheiben-Schleifmaschine verwenden, anstatt einer sog. Hummel. Dadurch würde man nur wenige µm an Parkettschicht abschleifen und würde ein super Parkettbild absolut wellenfrei erhalten. Man hätte dies bei einem gleichen Fall in einer anderen Wohnung (kein Neubau) auch schon erfolgreich durchgeführt.
Ferner würde man eine Zwei-Komponentenversiegelung anbieten, wodurch das Parkett versiegelt werden würde. Man würde praktisch mit diesen Arbeitsschritten eine Aufwertung des Parketts bekommen.
Da ich diese Geschichten so langsam nicht mehr hören kann, plane ich im nächsten Schritt dazu überzugehen die Firma auf Ihre Vereinbarung festzunageln das Parkett zu tauschen.

Zuvor würde ich jedoch gern Wissen wie Sie die neue Aussage der Parkettfirma bewerten.

Vielen Dank im Voraus.

MfG

Thorsten
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Dino23
Amos23 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.02, 07:47   #7
khr
Klaus-Hermann Ries
Tischlermeister
öb vereidigter Sachverständiger des Tischlerhandwerks
 
Registriert seit: 09.2001
Ort: 46244 Kirchhellen
Beiträge: 7.092
Von der Aussage halte ich gar nichts.

Ich wage zu bezweifeln, daß ein vor Ort aufgebrachter Zweikomponentenlack die optische und technische Qualität einer werksseitig aufgebrachten Lackierung erreicht.

Wenn Sie Wellen im Boden haben, dann wird es nicht reichen einige µm von dem Boden abzuschleifen, es sei denn die Wellen wären nur einige µm hoch, aber dann würden Sie sie nicht sehen. Ferner tragen so Schleifmaschienen in der Regel relativ gleichmäßig den Berg und auch das Tal der Welle ab, jedenfalls bei länger verlaufenden Unebenheiten. Von Ihren 4 mm Nutzschicht wird da so ganz viel nicht zurückbleiben.

Ich empfehle ebenfalls den Austausch des Bodens. Vielleicht aber holen Sie hierzu den Rat eines öbv Sachverständigen des Parkettlegerhandwerks ein, der sich den Boden mal ansieht, Anschriften erhalten Sie über Ihre Handwerkskammer.
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Klaus-Hermann Ries (khr)
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