Das Tischlerforum bei Klaus-Hermann Ries

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Alt 14.01.02, 09:22   #1
chris
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Registriert seit: 01.2002
Ort: wien
Beiträge: 4
Sehr geehrter Herr Ries !
Ich bin begeistert mit welcher Durchsichtigkeit und Verstaendlichkeit sie Ihre Beiträge gestaltet haben was mich von Ihrer Fachkompetenz voll überzeugt !
Nun zum Thema.
Ich habe eine Holztreppe, sicher schon 20-30 Jahre alt, die knarrt.
Einige Stufen vorallem in der Viertelwendelung sind schon aus den Wangenfugen gesprungen. Es handelt sich übrigens um eine gestemmte Treppe mit Setzstufen.
Wangen ca.41mm; Setzstufen ca.18mm; Stufe ca.40mm.
Ihren Beitrag hebe ich mit Begeisterung gelesen.
Ich möchte die Treppe renovieren nach Ihrer Beschreibung( bei meiner Treppe sind nämlich alle Stufen gerade und nicht bombiert bzw. hohl) und lasieren.
Fragen: 1.) Muss ich zum lasieren die Treppe in sene Einzelteile zerlegen oder geht das auch nach dem Aufspreizen der Stufen.
2.) Die Stufen sind mit der Setzkante vernagelt und nicht verschraubt- wie bring ich die Naegel raus.
Möchte dann versetzt verschrauben mit 6mm Holzschrauben-wie tief müssen diese in die Stufe eintragen?
3.)Die Wangen sind mit 2 Gewindestangen ca. M8 zusammengehalten. Ist das ausreichend oder soll ich noch eine Gewindestange einfügen?
Die wandseitige Wange ist an der Wand nicht angeschraubt, sondern hat zu der Wand einen Abstand von ca. 5cm und ist an 2 Stellen oben und unten nur angespreitzt mit Holzkeilen. Was würden sie mir als Abhilfe dieses sicher nicht einwadfreien Zustandes empfehlen ?
4.)An der Vierteldrehung ist die nut der Wange ausgerissen (ca. über 15cm). Die Stufe ist ebenfalls an dieser Stelle ausgerissen. Abhilfe: Stützleiste 20x40mm an der Unterseite. Ist dies okay?
Diese Stufe wurde von meinem Vorbesitzer des Hauses schon mal behandelt, da ich Leimspuren in der Nut entdeckt habe, die vermuten lassen, dass diese gesamte Stufe eingeleimt wurde. Damit kriege ich diese aber wohl nicht mehr heraus, oder ?
5.)In Ihren Mindestabmessungen laß ich eine Angabe: Besteck 40mm. Ich bitte um Aufklaerung was Besteck ist-in den Fachbezeichnungen habe ich dies leider nicht gefunden.

Ich würde mich freuen,wenn Sie meine Fragen beantworten könnten.

Entschuldigung -ich habe noch eine Frage vergessen.
Die Setzstufen liegen nicht alle an der Wangenunterkante auf. Muss das so sein-wird die Belastung über die Setzstufe nun über die Wangennutunterkante an die Treppe weitergeleitet oder über die Nägel bzw. Schrauben über die Stufe weitergeleitet (dann würde aber die gesamte Belastung auf den Nägeln bzw. Schrauben lasten- kann mir nicht vorstellen,dass das so sein soll)?

mit freundlichen Grüßen

Christian Zinkl
chris ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 14.01.02, 18:27   #2
khr
Klaus-Hermann Ries
Tischlermeister
öb vereidigter Sachverständiger des Tischlerhandwerks
 
Registriert seit: 09.2001
Ort: 46244 Kirchhellen
Beiträge: 7.092
Hallo Herr Zinkl,

vielen Dank für Ihr Lob über meine Seiten. Freut mich, wenn Ihnen der Schreibstil gefällt, ich halte auch nicht viel davon in jeden Satz drei Normenquellen einzufügen und den Rest mit Fachbegriffen zu spicken, so daß keiner was kapiert.

Die Frage ist, was auf der Treppe für ein Lack drauf ist, wie Sie ihn anbekommen und in welchem Gesamtzustand die Treppe ist. Bei allem, was sie schreiben ist die Idee des völligen Zerlegens nicht die schlechteste, vor allem dann, wenn shon einige Stufen aus den Wangen gesprungen sind (wie immer das auch geschehen sein mag).

Im Zuge des Zerlegens lassen sich die Nägel der Stoßtritte dann auch einfacher entfernen, ansonsten müßten Sie die aus dem Holz "ausgraben" und herausziehen, das ist fast unmöglich.

Bei den zu verwendenden Schrauben ist die Dicke wichtiger als die Länge, da der Stoßtritt die Schraube auf Scherung beansprucht. Wenn die 40mm in´s Holz der Stufe dringt, reicht das allemale bei einer 6mm dicken Schraube.

Die Anzahl der Gewindestangen würde ich, wenn die Treppe jetzt in der Wendelung auseinandergegangen ist, fals ich Sie da recht verstehe, da dann erhöhen, damit das nicht wieder vorkommt. Wie sit der Rest den zusammengefügt, doch nicht nur mit zwei einsamen Gewindestangen ?

Zur Befestigung an der Wandseite verwenden wir Schwerlastanker mit einer bauaufsichtlichen Zulassung für den Stein, in den sie gesteckt werden. Der Dübel sollte den Stein nicht sprengen, je nachdem empfehlen sich auch sog. "chemische" Dübel, also Injektionsdübel. Kommt auf´s Mauerwerk drauf an. Auf der Seite von upat finden Sie einen Ratgeber zur richtigen Dübelauswahl.

Frage 4 verstehe ich nicht, und das "Besteck" ist das Stück Holz an der Wange, was beim Ausstemmen der Stufen nicht weggefräst wird, sondern stehenbleibt.

Das mit dem Stoßtritt, und Ihre Vermutung dass nur die Nöägel dir Kraft übertragen, ist richtig. Dementsprechend sollte die Verschraubung oder Vernagelung ja so stabil sein.

Offen gestanden setzen die wenigsten Treppenbauer die Stoßtritte unter Spannung, so wie ich es auf meinen Seiten beschrieben habe. Diese Methode stammt von früher. Solange eine Treppe nicht knarrt, mag das ja auch angehen. Tut sie dies aber, ist meine Methode die bisher einzige, die ich kenne, das Knarren zuverlässig abzustellen. Haben wir an 152 Läufen praktiziert, 148 Mal hat es geklappt.
__________________
Klaus-Hermann Ries (khr)
khr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.01.02, 13:15   #3
chris
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Registriert seit: 01.2002
Ort: wien
Beiträge: 4
Zunächst vielen Dank für die rasche Antworten.
Nun, die Treppe ist tatsächlich ausschliesslich mit 2 Gewindestangen im Abstand von ca. 1,5mm entlang des Aufganges zusammengespannt. Die 4tel-Drehung ist überhaupt nirgends zusammengespannt, sondern nur über Stehpfosten,die an der Wand und am Boden befestigt sind, verschraubt. Vielleicht ist das der Grund, dass die Stufen in diesem Bereich zum Teil aus der Wangennut gesprungen sind und sich mit der Zeit immer mehr abgetreten haben und damit die Wangennut ausgerissen haben. Damit ist dann Stufe immer weiter nach unten gerutscht und die "Ausreissung" hat sich fortgepflanzt. Mein Vorgänger hat dann möglicherweise versucht die Stufen (es sind die 2, die ums Eck gehen) wieder einzurenken und hat diese in die Wangennut nur verklebt wiel man in dem Eck nicht mehr dazu kommt zum Schrauben. Diese Methode hat aber  scheints nicht lange gehalten, da es ja so wie es jetzt ausschaut erneut zum Ausreissen gekommen ist. Meine Idee wäre, um ein Absenken der Stufe zu verhindern eine Stützlatte an der Setzstufe anzuschrauben-genauso wie die Aufdoppelung nach Ihrer Beschreibung nach dem Aufspreitzen gedacht ist.
Frage:
1.) Die mauerseitige Wange ist nicht an der Wand befestigt, da diese sehr uneben ist und nicht gerade verlaeuft-Deshalb 5cm Abstand. Soll ich nun mehrere (wieviele) Gewindestangen einfuegen oder mitttels Distanzklötzen die Wange mit der Wand verschrauben (Wieviele in welchem Abstand)?
2.)Leider kann ich nicht checken welcher Lack auf der Treppe ist. Sie ist jedenfalls Lasiert,aber sicher sehr sehr dünn. Die Trittflächen sehen aus als ob sie überhaupt nicht lasiert worden wären (nur optisch zu verstehen, denn gemacht wurde etwas, da die Flächen glatt sind). Wie kann man feststellen um welchen Lack es sich handelt. Gigt es keine Lasur bei es egal ist wie die vorhärige Lasur zustande kam?
mit freundlichen Grüßen

Christian Zinkl   (ohne "e" &nbsp
chris ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.01.02, 14:23   #4
khr
Klaus-Hermann Ries
Tischlermeister
öb vereidigter Sachverständiger des Tischlerhandwerks
 
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Beiträge: 7.092
ups, ohne "e" ?
Gut, daß man hier die Beiträge nachträglich editieren kann *

Wenn´s dann not tut, setzen Sie einen Dübel ziemlich weit oben, im Bereich der vorletzten Stufe, und im Bereich der Wendelung einen, jedenfalls keinen auf der halben Höhe, damit die Wange nicht das Kippeln anfängt wenn Sie oben drauftreten. Dne Spalt zwischen wange und Wand füttern Sie druckfest mit einem holz aus und ziehen die Dübel dann fest an, an den Antritt kommt übrigens auch einer, somit haben Sie dann drei: Antritt, in der "Ecke", Austritt.

Mit der Farbe ist´s so eine Sache: wasserbasierende Systeme (Hydrolacke) eignen sich für nahezu alle Untergründe, da müßten Sie das vielleicht mal irgendwo ausprobieren, und in die Wendelung bauen Sie noch zwei Gewindestangen ein, dann soll´s einschließlich Ihrer eingeleimten Klötzchen wohl funktionieren.
__________________
Klaus-Hermann Ries (khr)
khr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.02, 12:18   #5
chris
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Ort: wien
Beiträge: 4
Herzlichen Dank, Herr Ries !
Jetzt kann ich mich gut vorbereitet an die Sache heranwagen.
Halt, doch noch eine kleine Frage:
Wäscht sich ein wasserlöslicher Lack beim Herunterwaschen der Stufen nicht ab?
Nochmals vielen Dank für Ihr Entgegenkommen,
schöne Grüsse,

Christian Zinkl
chris ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.01.02, 12:49   #6
khr
Klaus-Hermann Ries
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Beiträge: 7.092
Hallo Herr Zinkl (!),

reingefallen !

Ich schrieb "wasserbasierend", nicht "wasserlöslich". Meinen tun wir dasselbe, allein Ihr Begriff führt zu Mißverständnissen.

Das Lösemittel des LAckes ist Wasser, das System funktioniertt auf Basis von Wasser > wasserbasierend halt.

Die Lackpartikel sind in Wasser gelöst,  da haben Sie recht, aber unter wasserlöslich versteht man was anderes.

Nee, der löst sich nicht mehr auf wenn er mal abgebunden ist, also nachdem das Lösemittel Wasser weggetrocknet ist. Die Qualität ist deutlcih besser als bei einem Nitro und etwas schlechter als bei einem PUR-Lack. Der Treppen-Wasserlack tut seine Pflicht und Schuldigkeit aber einwandfrei, und er reagiert eben nicht mit alten Lackresten oder Pronto oder Wachsresten oder Ahnlichem.
__________________
Klaus-Hermann Ries (khr)
khr ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.02, 17:35   #7
khr
Klaus-Hermann Ries
Tischlermeister
öb vereidigter Sachverständiger des Tischlerhandwerks
 
Registriert seit: 09.2001
Ort: 46244 Kirchhellen
Beiträge: 7.092
Nachtrag:

Opel arbeitet mit wasserbasierenden Grundierungen. Ob´s daran liegt, daß mein Omega mir fast unter dem Hintern weggerostet ist ?

Jetzt rostet er in Polen ...
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Klaus-Hermann Ries (khr)
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